Der Mann erfüllt das Klischee auf der ganzen Linie: Lokführer war sein grosser Bubentraum. "Ich habe als Kind mit meinen Brüdern leidenschaftlich mit der Modelleisenbahn gespielt", sagt Fabian Mathys. Der 31-Jährige arbeitet seit vier Jahren als Lokführer bei der Aargau Verkehr AG (AVA). Das Unternehmen betreibt die Bahnstrecken der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDB) und der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB). Ab 2022 wird Aargau Verkehr AG (AVA) auch die neue Limmattal-Bahn betreiben. Die erste Etappe von Zürich Altstetten über Schlieren bis Geissweid ist bereits in Betrieb. Aktuell hat die zweite Bauetappe gestartet, damit die Limmattal-Bahn die Fahrgäste der Agglomeration von Zürich Altstetten über die Kantonsgrenze bis in den Nachbarkanton Aargau nach Killwangen-Spreitenbach bedienen kann.
          

Als Lastwagenfahrer zuvor unterwegs

Lokführer sei nur als Zweitausbildung möglich, eine abgeschlossene dreijährige anerkannte Berufslehre oder Matura sei die Voraussetzung, so Mathys, der vorwiegend auf der BDB-Strecke unterwegs ist und gleichzeitig als Ausbildungslokführer tätig ist. Auch auf der WSB-Strecke zwischen Menziken–Aarau und Schöftland fährt Mathys ab und zu. Dies bringt ihm viel Abwechslung im Arbeitsalltag.

Fabian Mathys war früher als Lastwagenfahrer unterwegs und hat sich innerhalb der damaligen Firma zum Disponenten hochgearbeitet. "Aber ich merkte bald, dass ich im Büro und langfristig als Lastwagenfahrer nicht glücklich bin." So habe er sich als 26-Jähriger nochmals beruflich neu orientiert und sich bei der Aargau Verkehr AG (AVA) beworben. Nach einem Vorstellungsgespräch folgten medizinische und psychologische Tests. Wer diese Hürde erfolgreich gemeistert hat, der wird dann langsam ans Fahren mit dem Zug herangeführt. Zunächst folgen erste kleine Fahrten im Depot, danach fährt man in Begleitung mit einem Ausbildungslokführer auf der ganzen Strecke. Nach rund sechs Monaten ist man dann erstmals allein mit dem Zug auf der Strecke unterwegs. "Das ist ein ganz besonderes Gefühl, das man nie mehr vergisst", schwärmt Mathys. Man sei dann auf sich gestellt und müsse selber alle Entscheidungen treffen. "Wir sind aber nie ganz allein. Wir haben immer Kontakt mit der Leitstelle. Und im Zug ist regelmässig auch Kontroll- und Sicherheitspersonal unterwegs."

Die Arbeit sei komplexer, als die meisten denken. Bei Regen fühle sich die Fahrt an, als ob man im Auto auf Glatteis unterwegs sei – da müsse man mit einem längeren Bremsweg rechnen. "Man muss vieles im Blick haben und den Zug spüren. Zudem müssen wir in der Lage sein, zahlreiche Störungen selber beheben zu können." Das Fahren sei grundsätzlich keine Hexerei, aber sobald Störungen aufträten, werde die Situation komplex. "Einen kühlen Kopf zu bewahren und die Übersicht zu behalten, ist dann angesagt. Das lernen wir jedoch in der Ausbildung sehr genau", sagt Fabian Mathys.


"Lokführer zu werden, war mein Bubentraum."

Fabian Mathys
Lokführer Aargau Verkehr AG


Persönlicher Kontakt zu den Fahrgästen

Die Eigenverantwortung, das selbstständige Arbeiten, ohne immer einen Chef im Rücken zu haben, gefalle ihm an seinem Job besonders. Zudem liebe er die regionale Verankerung der Zuglinien, "denn so kennt man gewisse Fahrgäste persönlich und hält mit ihnen an der Endstation auch mal einen Schwatz". "Der Beruf ist bei den Jungen nicht mehr sehr gefragt. Denn man muss unterschiedliche Arbeitszeiten im Schichtbetrieb in Kauf nehmen und auch an Wochenenden arbeiten", berichtet Mathys. Für die Morgenschicht, die auf der BDB mit der ersten Zugfahrt um 4.50 Uhr beginnt, muss Mathys um 3 Uhr aufstehen. Und die letzte Abendschicht endet im Depot in Bremgarten gegen 1.15 Uhr.

Lokführer sind derzeit nicht nur bei den SBB, sondern auch bei der AVA sehr gefragt. Pro Jahr lassen sich bei der Aargau Verkehr AG rund drei bis sechs Personen dazu ausbilden, die meisten im Alter zwischen 30 und 50. Darunter sind auch Frauen. Gerade im Hinblick auf die Eröffnung der ganz bis nach Killwangen-Spreitenbach ausgebauten Limmattal-Bahn im Jahr 2022 (siehe Interview rechts) suche man noch etwa 30 neue Lokführer, sagt Mathys. Luc Müller


Er fährt auf seinen Traumjob voll ab und zeigt dabei am Steuer ganz viel Gefühl

Als Mitarbeiter in einer Lackfabrik an das Buslenkrad: Armin Begic chauffiert heute Linienbusse in der Region Dietikon durch den Verkehr. Der berufliche Quereinsteiger hat für seinen neuen Job viel investiert.

Armin Begic ist als Buschauffeur für die Limmat Bus AG in der Region Dietikon unterwegs. Bild: Luc Müller
Armin Begic ist als Buschauffeur für die Limmat Bus AG in der Region Dietikon unterwegs. Bild: Luc Müller

Im Gespräch fühlt man von der ersten Sekunde an: Der Mann liebt seinen Job. "Linienbuschauffeur ist mein Traumjob", schwärmt Armin Begic. Top gestylt mit modischer Sonnenbrille und ebenso modischem Haarschnitt steht der 31-Jährige an der Bushaltestelle am Bahnhof Dietikon. Gleich wird er seine Schicht antreten. Seit rund neun Monaten sitzt er hinter dem Buslenkrad. Angestellt ist er bei der Limmat Bus AG, einer 100-prozentigen Tochterfirma der Aargau Verkehr AG (AVA). Die Limmat Bus AG fährt im Auftrag der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) und bedient im Limmattal zehn Buslinien zwischen Zürich und dem aargauischen Killwangen.

Armin Begic, der 2006 aus Bosnien in die Schweiz gekommen ist, war vorher in einem ganz anderen Beruf tätig. Während 13 Jahren arbeitete er bei der Firma Walter Mäder AG in Killwangen, die im Bereich Lacke tätig ist. "Ich habe schon früh Herausforderungen gesucht und gerne Verantwortung übernommen", erklärt Begic. So arbeitete er sich bis zum Produktionsvorarbeiter hoch. "Ich wollte mich in der Schweiz schnell integrieren. Ich fand es toll, in einem Land zu leben, in dem alles geordnet und sauber ist." So lernte er schnellstmöglich Deutsch und fühlte sich sofort wohl in der neuen Heimat.

Fahrstunden selber finanziert

Sein nächstes Ziel war es, seinen Traum vom Buschauffeur zu realisieren. Mit seinem angesparten Geld machte er zunächst den erforderlichen Führerschein der Kategorie D für Personentransporte: Dabei musste er 52 Fahrstunden machen. Zusätzlich absolvierte er noch den obligaten CZV-Kurs: den Chauffeurzulassungsverordnungskurs. Hier lernte er spezifische Fähigkeiten, die man als Buschauffeur haben muss. Erst nach dieser Ausbildung meldete er sich sozusagen als schon ausgebildeter Lenker bei der Limmat Bus AG, die intern keine Grundausbildung für Fahrer anbietet. "Ich habe die Ausbildung selber finanziert", berichtet Armin Begic. Diese hat insgesamt rund 15 000 Franken gekostet. Bei der Limmat Bus AG gebe es dann noch eine rund dreiwöchige Einführung. "Jede Linie fährt man mindestens einen Tag lang hin und her, bis man alle Haltestellen im Kopf hat."

Komplimente von der alten Dame

Die grosse Abwechslung und die Verantwortung für die Fahrgäste: Das gefällt dem jungen Busfahrer besonders an seinem Job. "Die Sicherheit der Fahrgäste steht zu jedem Zeitpunkt im Vordergrund", betont Begic, "beim Fahren muss ich zu 100 Prozent konzentriert sein und vorausschauend agieren." Diese Art des Fahrens sorgte auch schon für viele Komplimente. Auf der Buslinie Stadthalle Ost–Dietikon fahren jeweils viele ältere Fahrgäste mit. Als er seinen Bus an der Endhaltestelle stoppte, sei eine ältere Dame zu ihm gekommen und habe ihm spontan 5 Franken für einen Kaffee spendiert. "Sie sagte, ich sei so sanft und vorsichtig gefahren, was ihr besonders gut gefallen habe. Das hat mich sehr gefreut und weiter motiviert", so Begic.

Aber ab und zu ist er auch mit unangenehmen Situationen während einer Busfahrt konfrontiert. "So kam es schon vor, dass ein paar Jugendliche sich danebenbenommen und randaliert haben. Ich habe dann per Mikrofon eine Durchsage gemacht und konnte so die Situation beruhigen. Wie man in solchen Momenten reagieren muss, lernt man im CZV-Kurs."

Armin Begic, der mit seiner Frau und dem dreijährigen Sohn in Spreitenbach lebt, ist jeweils zu unterschiedlichen Zeiten im Einsatz. Die Frühschicht beginnt um etwa 4.30 Uhr und endet etwa gegen 13 Uhr. Fährt er die Abendschicht, muss er um 15.30 Uhr anfangen und bis 1 Uhr fahren. "Abends bin ich am liebsten unterwegs, so ab 19 Uhr wird es meistens sehr ruhig, und ich verkaufe dann fast keine Billette mehr. Denn Tickets zu verkaufen, gehört auch zu meinen Tätigkeiten."

Armin Begic ist für alle Aufgaben bestens gerüstet. Auch im Winter, wenn Schnee auf der Strasse liegt, muss er seinen Bus sicher durch den Verkehr lenken. Zu 90 Prozent sei das kein Problem, nur an gewissen steilen Streckenabschnitten brauche es manchmal eine besondere Massnahme. "Meist sind die Strassen gut geräumt. Wenn es Probleme gibt, rufe ich der Leitstelle an, und die bietet dann bei Bedarf schnell den Schneepflug mit Salzmaschine auf – und weiter geht die Fahrt."

Keine Probleme mit den Autofahrern

Wer kennt das Problem nicht? Man rennt an die Bushaltestelle, wo der Bus abfahrbereit steht. Man drückt zwar den Türknopf, doch die Türe wird nicht mehr geöffnet. "Beim Herausfahren aus der Haltestelle konzentrieren wir uns auf die Fahrbahn und den linken Seitenspiegel. Erst wenn wir direkt rausfahren, nutzen wir auch den rechten Seitenspiegel: In diesem Moment gewähren uns die Autofahrer den Vortritt, und wir fahren los und können die Türe nicht mehr öffnen." Das komme aber selten vor. Zum Schluss spricht Armin Begic noch über die Autofahrer: "Ich habe bisher vor allem positive Situationen erlebt. Die Autofahrer sind sehr zuvorkommend und lassen dem Bus gerne den Vortritt. Das hatte ich anders erwartet." Luc Müller