Von Markus Kocher 

Hochkonzentriert steht Rebecca Kündig im Lagerraum der Doppelpunkt AG in Kölliken an zwei Malerböckli und streicht einen Gerüstladen in einem knalligen Orange. Eine Arbeit, die der 19-jährigen Rupperswilerin – im Gegensatz zu Schleifarbeiten – viel Spass macht. «Schleifen ist nicht nur körperlich sehr anstrengend, sondern auch extrem laut», erklärt die junge Frau. «Und das liebe ich nicht so.»
   

 
Handwerkliches Geschick, gute Farbwahrnehmung, Schwindelfreiheit, selbstständiges und sauberes Arbeiten sowie Allergiefreiheit auf Lösungsmittel sind Grundvoraussetzungen, die ein Maler für seinen Beruf mitbringen muss. Doch obwohl schon ihr Vater diesen Beruf ergriffen habe und sie beim Umbau der eigenen vier Wände viel mitgeholfen habe, sei eine Ausbildung zur Malerin nicht zuoberst auf ihrer Wunschliste gestanden, sagt Rebecca Kündig. Viel lieber wäre sie Floristin geworden. Leider sei es praktisch unmöglich gewesen, eine Lehrstelle in einem Blumengeschäft zu finden, und das Auswendiglernen der vielen Pflanzen- und Blumennamen liege ihr auch nicht so. Aus diesem Grund habe sie ein dreiwöchiges Praktikum als Malerin bei der Doppelpunkt AG gemacht, und «es hat auf Anhieb gepasst». Eine Aussage, die ihr Berufsbildner, Mike Schaerer, nur allzu gerne unterschreibt. «Frau Kündig hat uns mit ihrer kommunikativen und aufgestellten Art sofort überzeugt und wir mussten nicht lange überlegen, ihr einen Ausbildungsplatz zu offerieren.»
 


Einen Entschluss, den die Beteiligten nie bereut haben. «Rebecca hat sich ausserordentlich gut entwickelt, ist pünktlich, freundlich und arbeitet sehr selbstständig», freut sich Mike Schaerer. «Und mir gefällt, dass ich den Kunden eine Freude machen kann und man sofort sieht, was man gearbeitet hat», ergänzt Kündig, die an ihrem Arbeitsplatz ausschliesslich mit Männern zusammenarbeitet.
   



Das sei für sie zum Glück überhaupt kein Problem, so Kündig. «Ich fühle mich als einzige Frau unter lauter Männern sehr wohl und es ist – im positiven Sinn – ein ständiges Geben und Nehmen.» Und was steht bei der jungen Frau heute noch auf dem Arbeitsprogramm? Rebecca Kündig muss nicht lange überlegen: «Heute Nachmittag bin ich in Schongau am Renovieren eines Holz-Chalets.» Der grösste Teil der Arbeit sei bereits gemacht, erklärt die Hobbyreiterin, die am liebsten jeden Tag mit ihrem Pflegepferd ausreiten würde. «Jetzt müssen wir noch das untere Mauerwerk streichen und die Detailarbeit machen.»
   

Berufsporträt

Praktiker/-in PrA Malerei Praktiker/-innen PrA Malerei arbeiten in Malerbetrieben. Sie helfen mit bei der Instandhaltung von Gebäuden. Zu ihren Tätigkeiten gehören Anstricharbeiten im Innen- und Aussenbereich. Bevor sie mit dem Beschichten beginnen, stellen sie das benötigte Material und die Geräte bereit und richten die Baustelle ein. Sie streichen Fassaden, Wände, Decken, Böden, Türen und Fenster mit verschiedenen Farben und Lacken und wählen für den Anstrich die geeigneten Materialien und Arbeitstechniken.

Ausbildung:
2 Jahre
Unterricht:
Mindestens 6 Wochenlektionen in den Fächern Allgemeinkunde, Berufskunde, Sport, Kommunikation
Voraussetzungen:
Mindestalter 16 Jahre Finanzierung der Berufsausbildung durch die IV oder einen anderen Kostenträger

Die praktische Ausbildung PrA nach INSOS richtet sich an Menschen mit einer Beeinträchtigung, die die Voraussetzungen für eine berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) nicht oder noch nicht erfüllen. Heute bilden mehr als 160 PrA-Betriebe jährlich rund 1200 Jugendliche in gegen 50 PrA-Berufen aus.

Berufsschule Scala

Die Berufsschule Scala ist die erste interinstitutionelle Berufsfachschule für Menschen mit einer Beeinträchtigung in der Schweiz. Sie wird durch die Stiftung Lebenshilfe geführt und unterrichtet derzeit rund 100 Lernende aus gegen 20 Sozialinstitutionen.
 

Diplomfeier des z. B. Zentrum Bildung – Wirtschaftsschule KV Baden.
Diplomfeier des z. B. Zentrum Bildung – Wirtschaftsschule KV Baden.