Der ständige Wandel fordert auch das Bauwesen. Um erfolgreich und vorausschauend aufzutreten, ist Markus Fust, Geschäftsführer der Husner AG Holzbau in Frick, auf umfassende Analysen angewiesen. Die Firma ist in den Bereichen Zimmerei, Holzelementbau und Fassadenbau von Neubau, Um- und Anbau bis zu Sanierung und Werterhaltung tätig. Ebenso führt sie als Gesamtleisterin sämtliche Bauten in Holzbauweise aus. "Permanent entwickeln wir uns weiter, verbessern unsere Effizienz und suchen nach Innovationen und neuen Technologien. Wir sind auch im Bereich Fotovoltaik engagiert", erklärt Fust.
     


ask!

Konkret prüft die Husner AG Holzbau derzeit die Lieferketten für Baumaterialien. Die Aspekte Einkauf, Logistik oder Transport sollen Studenten als zukünftige Fachkräfte im Auftrag von Markus Fust analysieren und ein Konzept mit Handlungsempfehlung erarbeiten. Konkret handelt es sich dabei um vier Studenten der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), die an der Hochschule für Technik den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen seit zwei Semestern belegen. Der Bachelor-Studiengang dauert drei Jahre. IT-Fachleute und Ingenieure sind derzeit schweizweit händeringend gesucht (siehe Interview unten) – die Wirtschaftsingenieure verbinden sogar beides und sind deshalb gesuchte Fachkräfte.
       

FFHS Fernfachhoschule Schweiz

Besuch an der Sporthandelsschule

Der junge Langnauer besucht derzeit in Bern bei der Privatschule Feusi die Sporthandelsschule. Die Ausbildung dauert vier Jahre. Im Sommer wird Weibel nun die Schule abschliessen und sich danach ganz aufs Hockeyspielen konzentrieren können. "Ich freue mich darauf. Nun kann ich mich voll und ganz aufs Hockey fokussieren. Das war bisher nie so, weil ich immer noch in der Schule engagiert war."
          

Fachhochschule Nordwestschweiz Hoschule für Wirtschaft

Breites Spektrum an Fachrichtungen

"Wirtschaftsingenieure sind das Bindeglied zwischen Technik und Betriebswirtschaft. Die Wirtschaft sucht Fachleute mit dem Blick fürs Ganze", erklärt Lutz Gommel. Er ist Dozent an der Hochschule für Technik FHNW und betreut die Studenten, die nun den Auftrag als Projektarbeit bei der Firma Husner AG Holzbau durchführen. Im Studium wird ein breites Spektrum verschiedener Fachrichtungen abgedeckt: Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaft. Systemdenken spielt beim Business Engineering, beim Product- und Production-Management sowie bei Supply-Chain-Management-Prozessen eine entscheidende Rolle. "Wirtschaftsingenieure werden in Firmen gerne eingesetzt, um betriebliche Abläufe zu optimieren. Die Digitalisierung bietet hier grosse Möglichkeiten", erklärt Gommel.
    

"Ich habe vorher das KV abgeschlossen. Ich wusste aber, dass ich noch was anderes machen will", erklärt Studentin Michèle Fust (22). Die Richtung Wirtschaft und Technik habe sie gereizt – deshalb sei das Studium Wirtschaftsingenieurwesen optimal für sie. Auch Mitstudentin Meret Werren (21) hat zunächst das KV in einem Bundesbetrieb abgeschlossen. "Damals habe ich schon die Fächer Mathematik und Physik gehabt. Diese brauche ich jetzt auch fürs Studium. Deshalb passt mir die jetzige Ausbildung sehr gut", berichtet Werren. Mitstudent Tim Busslinger (22) hat zuvor die Wirtschaftsmittelschule abgeschlossen, Patrick Kühne (24) eine Schreinerlehre. "Das Studium ist sehr praxisorientiert", verrät Busslinger, "wir haben mehrere Projekte, die wir abschliessen."


"Ich setze ganz auf den Sachverstand der jungen Studenten."

Markus Fust
Geschäftsführer Husner AG Holzbau


"Wir sind für den Inhalt der Projektarbeit selbst verantwortlich. Methodisch werden wir von Lutz Gommel betreut", erklärt Patrick Kühne.

Konkret hat Markus Fust den Studenten den Auftrag vorgegeben. Schlussendlich werden die Studierenden eine Analyse und ein Konzept vorlegen – zuvor gibt es immer wieder Zwischengespräche. "Ich setze ganz auf den Sachverstand der jungen Studenten. Das ist keine Alibiübung. Die Erkenntnisse aus ihrer Projektarbeit werden in unsere Arbeitsprozesse einfliessen", so Fust, der schon rund zehn Projekte mit FHNW-Studenten abgeschlossen hat. "Manchmal diskutiert man mit den Studierenden auch mal härter und verlangt noch Nachbesserungen bei einer Analyse, wenn diese nicht tief genug war."

Genau durch solche Erfahrungen aus der Praxis seien die Studierenden im späteren Berufsleben gut vorbereitet, weil sie eine gute Vorstellung hätten, was die Arbeitswelt von ihnen verlangen werde, sagt Dozent Lutz Gommel. "Das ist ein grosser Vorteil der Fachhochschule, die eben sehr praxisorientiert ist", ergänzt Gommel. Luc Müller 


Nachgefragt

"Viele Unternehmen suchen dringend Ingenieure"

Jörg Lagemann ist Studienleiter Wirtschaftsingenieurwesen FHNW. Bild: zvg
Jörg Lagemann ist Studienleiter Wirtschaftsingenieurwesen FHNW. Bild: zvg

Jörg Lagemann ist Studiengangleiter Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule für Technik an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und Leiter des Giessereizentrums der FHNW, das die wissenschaftliche Anlaufstelle der Giessereibranche bildet.

Bislang gab es in der Schweiz einen Fachkräftemangel an Ingenieuren und Informatikern. Ist das immer noch so?

Jörg Lagemann: Vor ein paar Tagen war ich bei einer Aargauer Firma, die in der Solarbranche tätig ist. Das Unternehmen sucht dringend Ingenieure, kann aber aufgrund des Fachkräftemangels die Stellen nicht besetzen. Für das stark wachsende Unternehmen stellt das ein ernsthaftes Problem dar. Vielen anderen Firmen ergeht es ähnlich. Im Ranking des Fachkräftemangels stehen Ingenieurberufe und Berufe der Informatik auf den Plätzen 1 und 4 (s. Fachkräftemangel-Index UZH 2019). Ohne die Zuwanderung von Ingenieurinnen und Informatikern wäre die Situation noch drastischer. Mehr als ein Drittel der Ingenieure sind in der Schweiz Ausländer. Bei den Informatikern ist der Anteil vermutlich noch höher.

Warum sind Ingenieure und Informatiker so gefragt?

Die Schweiz ist eines der innovativsten Länder weltweit. Viele Innovationen beruhen auf technologischen Entwicklungen, die von Ingenieurinnen und Informatikern vorangetrieben werden. Die Transformation in das digitale Zeitalter führt dazu, dass beispielsweise Banken zu Informatikfirmen mutieren, da Softwarelösungen wie E-Banking konventionelle Prozesse ablösen. Gut ausgebildete Fachleute sind die Basis für den technologischen Fortschritt und den damit verbundenen Wohlstand.

Wie viele ausgebildete Ingenieure verlassen die FHNW pro Jahr?

Letzten Herbst konnten wir an der Hochschule für Technik FHNW rund 400 Ingenieure/-innen und Informatiker/-innen in die Berufswelt entlassen. Die Zunahme der Absolventinnen und Absolventen in den letzten Jahren ist vor allem den Informatik-Studiengängen zuzuschreiben.

Welcher Technikstudiengang ist an der FHNW am besten besucht?

Die Informatik-Studiengänge (Informatik, iCompetence und Data Science) weisen heute die grösste Anzahl Studierender auf. Bei den jungen Leuten ist offensichtlich der lauter werdende Ruf nach Informatikern angekommen. Die weiterhin grosse Nachfrage nach Ingenieuren droht fast ein bisschen unterzugehen.

Sind die Technik-Lerninhalte der FHNW an die Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst?

Wir stehen in engem Kontakt mit der Wirtschaft und kennen deren Bedürfnisse sehr gut. Die anwendungsorientierte Forschung, die wir betreiben, richtet sich naturgemäss nach den Forderungen der Wirtschaft aus. Die Ergebnisse und Erkenntnisse fliessen unmittelbar in die Ausbildung ein. Im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen haben wir vor anderthalb Jahren eine breit angelegte Umfrage bei unseren Absolventen durchgeführt, um die fachlichen Anforderungen, die an sie gestellt werden, ganz genau aus erster Hand zu erfahren. Unsere Absolventen wissen am besten, was von ihnen verlangt wird. Anschliessend haben wir den Lehrplan des Studiengangs angepasst und Themen wie z. B. Technologien und Methoden der Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Datenanalyse und agiles Projektmanagement neu und prominent im Curriculum verankert. (uc)