Wie erfindet man sich komplett neu und bleibt sich dennoch treu? Eine schwierige Aufgabe, mit der sich derzeit einige Autohersteller konfrontiert sehen. Gerade bei Marken, deren Konzept nicht ganz so leicht auf die E-Mobilität übertragbar ist: Zum Beispiel Hersteller, die auf kleine, leicht und erschwingliche Fahrzeuge setzen. Das erklärt, warum Suzuki eher spät dran ist, wenn es um E-Mobilität geht. Der japanische Hersteller ist einer der letzten, die noch kein einziges Elektro-Modell im Portfolio haben. Bis jetzt.

Bekannter Name, neuer Zusatz
Für ihre Elektro-Premiere bemüht die Marke einen bekannten, grossen Namen: den Vitara. Der kompakte Geländewagen begleitet Suzuki schon seit 1988 in diversen Variationen und Generationen. Nun soll der Vitara die Marke auch ins Elektro-Zeitalter führen, und zwar als e-Vitara. Der Stromer basiert auf einer neu konstruierten Plattform, die künftig auch für weitere E-Modelle von Suzuki genutzt werden könnte. Das Herz des E-Antriebs ist der Akku. Er wird in zwei Ausführungen zu haben sein: mit 49 oder 61 kWh Speicherkapazität. Mit dem grösseren Akku dürften wohl um die 450 Kilometer Reichweite laut WLTP-Messung möglich sein. Wahlweise ist der e-Vitara mit Frontantrieb oder in Kombination mit dem grösseren Akku auch mit Allrad geplant. Schliesslich hat Suzuki gerade mit seinen kompakten, leichten und günstigen Allradmodellen eine breite Fangemeinde in der Schweiz erreicht.
Die Basisversion mit Frontantrieb kommt auf 106 kW (144 PS) und 189 Nm Drehmoment. Mit dem grösseren Akku steigt die Leistung auf 128 kW (174 PS). Hier kann optional ein zweiter E-Motor an der Hinterachse dazu bestellt werden. So steigt die Systemleistung auf 135 kW (183 PS) und 300 Nm und auch der elektrische Vitara kann die Allrad-Tradition bei Suzuki fortführen. Mit Bergabfahrhilfe und einem Trail-Modus für Fahrten auf losem Untergrund bietet der Stromer zusätzliche Unterstützung, wenn die Bedingungen rauer werden.

Gut genutzter Raum
Trotz nur 4,28 Metern Länge will der Neue im Innenraum gross auftrumpfen. E-Auto-typisch ist der Radstand mit 2,70 Metern vergleichsweise lang, was vor allem auf der Rückbank mehr Platz bringt. Und dank der typisch kantigen Aussenform mit hoher Dachlinie dürfte auch der Kofferraum nicht enttäuschen. Schliesslich ist gerade ein Vitara ein Auto, das oft auch gerne für kleinere Transportaufgaben genutzt wird. Was allerdings nicht heisst, dass Suzuki nicht Wert auf ein modernes und durchaus schickes Erscheinungsbild gelegt hätte.
Das zeigt sich auch im Cockpit, wo digitale Instrumente und ein gut im Blickfeld positionierter Touchscreen dominieren. Löblicherweise hat Suzuki aber nicht alle Bedienelemente in die Menüs des Screens verbannt. Für die wichtigsten Funktionen gibt es nach wie vor echte Tasten, die sich beispielsweise auch mit Handschuhen bedienen lassen.

Der Anfang ist gemacht
Im Spätsommer wird der e-Vitara zu den Händlern rollen und Suzuki wird damit definitiv ins E-Zeitalter starten. Die Preise für den Stromer sind noch nicht bekannt. Er wird aber vermutlich teurer werden als der Vitara mit Benzinmotor. Dieser startet derzeit ab 31'490 Franken. Unter 40'000 Franken wird aber wohl auch der Stromer zu haben sein. Schliesslich lebt Suzuki auch davon, viel Auto zu vernünftigem Preis zu bieten. Der Benziner bleibt vorläufig weiterhin im Angebot. So kann Suzuki den Kunden die Wahl überlassen. Gerade in diesem Segment eine sinnvolle Entscheidung. Weitere Elektro-Modelle hat Suzuki noch nicht angekündigt. Das Potenzial wäre aber durchaus da. Denn der neue e-Vitara zeigt, dass die E-Plattform von Suzuki durchaus für mehr taugt. Interessant ist vor allem, dass Suzuki auch mit E-Antrieb seinen Prinzipien treu bleibt. Mit einem Leergewicht von mindestens 1,7 Tonnen zählt der e-Vitara zwar zu den leichteren Modellen E-Autos. Philipp Aeberli