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Chips bleiben Mangelware

Die Autobranche leidet derzeit unter einem globalen Mangel an Mikrochips. Deshalb können viele Fahrzeuge nicht ausgeliefert werden. Besserung dürfte erst 2023 eintreten.


19.03.2022

Moderne Autos sind fahrende Computer. Das gilt nicht nur für Luxuskarossen und Hightech-Elektroautos, sondern im Grunde für fast jedes Modell. Dutzende von Mikrochips kontrollieren und steuern sämtliche Funktionen – von Motor und Getriebe über Fahrwerk und Bremsen bis hin zu Licht, Assistenzsystemen und Navigation. Ohne die kleinen Chips fährt schlichtweg kein Auto mehr. Umso härter sind die Hersteller vom derzeitigen Mangel an eben jenen Chips getroffen – sie können viele Autos nicht bauen und ausliefern. Die Gründe für den Mangel liegen einerseits bei den Chip-Herstellern, die vorwiegend in Südostasien produzieren.

Unwetter und Dürreperioden sorgen für Produktionsausfälle, Probleme bei der internationalen Seefahrt verzögern die Lieferungen. Einige Autohersteller haben zudem zu Beginn der Corona-Pandemie ihre Lieferverträge storniert, da sie einen drastischen Rückgang der Produktion befürchten mussten. Gleichzeitig ging die Nachfrage nach Computerchips für Homeoffice-Elektronik stark nach oben. Hier kommt eine neuere Generation an Halbleitern zum Einsatz, die von den Chip-Herstellern aufgrund höherer Margen bevorzugt ausgeliefert wird – die Autoindustrie muss sich also hinten anstellen.

Fotos: zvg
Fotos: zvg

Während der Bedarf an Halbleitern im letzten Jahr um 17% stieg, wuchs das Angebot um nur gerade 6 Prozent, wie eine deutsche Studie festhält. Zudem seien die Produktionen zu 97% ausgelastet, wodurch eine schnelle Steigerung des Angebots kaum möglich sei.

Auch wenn die Chip-Produktion gesteigert wird, bedeutet das für die Autohersteller keine sofortige Besserung – denn die Chips der älteren Generation werden beim Ausbau der Kapazitäten kaum mehr berücksichtigt. Und eine Umstellung der komplexen Fahrzeugelektronik auf neue Komponenten braucht Zeit. So wird prognostiziert, dass sich die Lage für die Autohersteller frühestens 2023 verbessern wird.

Bis dahin müssen Kunden mit langen Lieferfristen rechnen. Und um die strengen Co2-Vorgaben so gut wie möglich zu erfüllen, liefern viele Hersteller bevorzugt Elektroautos aus. Auch werden, verständlicherweise, eher Autos in höheren Preisklassen ausgeliefert.

Als direkte Folge auf die Lieferschwierigkeiten bei Neuwagen sind Gebrauchtwagen so beliebt wie schon lange nicht mehr. Das sorgt für höhere Preise und kürzere Standzeiten auf dem Occasionsmarkt; bei manchen Händlern wird auch hier das Angebot schon knapper. Wer also mit dem Gedanken spielt, sein Auto zu verkaufen, dürfte jetzt einen guten Preis erzielen. Text: Philipp Aeberli